Stefan Klinger http://stefan-klinger.de.
Ich hatte mir im Frühjahr 2024 den Kärcher Nass-/Trockensauger WD 3 P V 17/4/20 gekauft, als kleinere Alternative zu meinem doch recht großen, alten und schweren Nass-/Trockensauger von Parkside, den ich für ein aktuelles Projekt nicht dauernd zwischen Keller und Garage hin und her schleppen wollte.
Beide Sauger nutze ich neben der Werkstattpflege zur Absaugung an handgeführten Werkzeugmaschinen (Sägen, Fräsen, Schleifen, …). Die Saugleistung taugt mir, auch gefällt das geringe Gewicht des WD 3.
Leider überwiegen die Nachteile:
Das saugende Ende vom Schlauch hat keinen leichtgängig drehbaren Anschluss (also zum axialen verdrehen des Endstückes, ohne dass sich der Schlauch mit dreht). Weder mit der mitgelieferten “Pistole” (oder wie das heißt) noch wenn ich’s direkt in meine Säge stecke. Die erste drehbare Position ist an der Schlauchverlängerung (falls man sie nutzt) oder am Sauger. Man muss also immer den ganzen Schlauch verwinden.
Das Schlauchmaterial ist allerdings so lummelig (billig) dass man leichter einen Knick rein macht.
Insbesondere im Vergleich zum Parkside fällt das negativ auf, dort ist das Schlauchmaterial solider, und direkt am saugenden Ende ist ein leicht drehbarer Anschluss.
Die Laufräder des WD 3 sind zu leichtgängig. Hätte nicht gedacht dass das ein Problem sein könnte, ist ja auch schön wenn der Sauger folgt wenn man am Schlauch zieht. Aber dass einem ein übereifriger R2D2 in die Hacken fährt während man mit der Handkreissäge hantiert ist arg nervig.
Besonders im Zusammenspiel mit dem ersten Punkt (nicht drehbarer Anschluss) wirkt sich das negativ aus, weil durch das am-Schlauch-hantieren ständig der Sauger durch die Gegend fährt.
Der absolute Killer ist aber die Verschaltung der Steckdose. Wie beim Sauger von Parkside hat der WD3P einen Schalter mit drei Stellungen: “Aus”, “Ein”, und (nennen wir es mal so) “Slave”, wo der Sauger erst bei Betätigung eines angeschlossenen Elektrogerätes (aka. Master) anläuft.
Beim Parkside bleibt der Master aus wenn der Schalter auf “Ein” (saugen) oder “Aus” steht. Beim Kärcher nicht. Steht sogar in der Anleitung, Seite 6:
“Solange das Gerät mit Strom versorgt ist, kann die Gerätesteckdose als Stromquelle verwendet werden.”
Das ist geradezu dämlich!
Aus zwei Gründen: Es ist ein Sicherheitsfeature: Über den Schalter am Parkside Sauger spare ich mir das ständige Ein- und Ausstecken wenn ich mal wieder einen Fräser oder ein Sägeblatt wechseln will. Und auch wenn ich den Sauger von Parkside direkt “Ein” schalte (weil ich saugen will), dann kann ich sicher sein dass die Säge nicht anläuft wenn ich sie kurz aufklappe um den Saugrüssel reinzuhalten. Beim Kärcher muss ich jetzt immer das Kabel aus stecken, das nervt.
Noch wichtiger: Wenn der Kärcher mal aus Versehen “Aus” geschaltet ist, statt auf “Slave”, dann kann ich trotzdem die Säge einschalten. Die ist laut und ich hab ’nen Gehörschutz auf, da bekomme ich nicht mit wenn der Sauger nicht an geht. Nur irgendwann später fällt auf dass da jemand nicht gesaugt hat weil die Späne die Säge verstopfen! Das ist dann echt Mist.
Die Beschriftungen am Schalter sind schwer lesbar, weil sie gelb auf gelb nicht so tollen Kontrast haben.
Und die Form des Schalters gibt auch nicht her dass man aus der Entfernung die Stellung erkennen könnte. Er ist rund wie ein Kreis. Volldumm.
Ich bin kein Elektriker, das ist allenfalls als experimenteller Aufbau zu verstehen, nicht als Aufforderung zum Nachmachen.
Bei Punkt 3, der Verschaltung der eingebauten Steckdose, habe ich testweise mal eine kleine Änderung an der Elektrik vorgenommen. Das sollte man allerdings bleiben lassen.
Jedenfalls funktioniert der Sauger damit so wie ich mir das vorstelle: Ein angeschlossenes Elektrogerät läuft nur im “Slave”-Modus, und der Sauger folgt dem Einschalten eines angeschlossenen Elektrogerätes. Auch der “Nachlauf” funktioniert noch, der Sauger saugt also ein bisschen länger als der Master läuft.
☠ Obacht: Je nach dem wie rum man den Stecker des Saugers in die Wandsteckdose steckt, wird vom Schalter am Staubsauger entweder der Außenleiter, oder der Neutralleiter geschaltet, aber nicht beides! Das ist gefährlich, weil die Steckdose am Staubsauger potenziell immer Strom führt, in allen Schalterstellungen!
Zum Öffnen des WD3P löst man am besten die Steckdose auf der Front und trennt sie von den Kabeln, das erleichtert das Handling. Im Deckel des WD3P findet man sechs Torx Schrauben, nur die vier äußeren sind zu öffnen, die beiden eher zur Mitte hin (Saugkorb) gelegenen kann man drin lassen. Sonst fallen die Innereien auseinander bevor der Patient offen ist.
Für die Änderung habe ich den violetten Draht (der im Original Schwarz verlängert) von seinem Steckplatz am Schalter abgezogen, und mit einer eigenen Abzweigung als Verlängerung von Grau ausgeführt.
Der Schalter ist einfach eingeclippt. Eine Brücke aus schwarzem Draht verbindet zwei der Flachsteckkontakte, auf dem einen davon steckt Blau, auf dem anderen Violett.
Den Violetten habe ich zum Grauen gesteckt, dazu musste ich eine Flachsteckerabzweigung (wie heißt das?) aus meinem Fundus verwenden. Und Schrumpfschlauch damit’s besser hält.
Noch ein Blick auf den Schaltplan. Mit der Schreibweise “L/N” versuche ich anzudeuten dass das sowohl Außen- als auch Neutralleiter sein kann, je nach dem wie man den Stecker des Saugers in die Wandsteckdose steckt. Bei “N/L” isses dann genau umgekehrt.
Die Elektronik ist natürlich komplexer als das hier angedeutete Relais (Nachlauf!), aber wie sie genau funktioniert ist für meine Modifikation unerheblich. Der Wahlschalter verbindet N/L entweder (Grau) vor oder (Rot) nach dem “Relais” der Master/Slave-Schaltung mit dem Motor. Geradezu trivial.
Die Änderung verpflanzt N/L zur Master-Steckdose einfach von der dauerverbundenen Position an eine Stelle die nur im Master/Slave-Modus mit N/L verbunden ist.
Wie auch immer, klar sollte sein, dass man mit einem derart modifizierten Staubsauger alle Garantie-, Sicherheits- oder Haftungsansprüche ins Klo gespült hat.
Und klar sollte auch sein, dass Kärcher mit einem zweipoligen Schalter einen viel besseren Staubsauger hätte bauen können. Oder anders gesagt: Dafuq, Kärcher?
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